Kurt-Kurt Aktuell

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Kurt-Kurt
Kunst und Kontext im Stadtlabor Moabit

präsentiert die Ausstellungsreihe
Kunst-Gast-Arbeiter

Alain Jenzer

Eröffnung
Ausstellung
Öffnungszeiten
for the birds

Freitag, 13. Juli 2018 um 18:00 Uhr
14. - 28. Juli 2018
Fr - Sa 16 - 19 Uhr


for the birds


Bild: © Alain Jenzer, 2018

Die Sphäre des Häuslichen, mit allen darin stattfindenden Arbeiten und sozialen Prozessen, gesellschaftlichen Zuschreibungen und Bewertungen sind Inspiration und thematischer Ausgangspunkt der aktuellen Auseinandersetzung von Alain Jenzer. Abhängigkeit, Gleichgewicht und Fragilität sind nebst Fragen zu Geschlechterbildern einige der Themenkreise, die sich in dieser Sphäre auftun und die Alain Jenzer mit den Mitteln der Kunst befragt und untersucht. Von Installationen mit Matratzen, Blumenkisten oder Staubsauger zu Performances und Aktionen mit Geschirr, Esswaren und Textilien (Strickwaren, Leintücher) tauchen in Alain Jenzer's Werken der vergangenen zehn Jahre häufig typische Gegenstände aus der Sphäre des Häuslichen auf. Und dann ist da nicht zuletzt der Begriff des Absurden, der nicht nur für seine aktuellen Arbeiten von zentraler Bedeutung ist, sondern auch für zahlreiche ältere Arbeiten, die im existenziellen Themenkreis Tod, Trauer und Erinnerungskultur angesiedelt waren. Der Titel seiner kürzlich im Basler Kunstraum FAQ realisierten Ausstellung – „Making friends with Sisyphos“ – und die dort entwickelte ortspezifische Raumzeichnung aus blauer Wäscheleine ist denn auch als Verweis auf Alain Jenzer’s Beschäftigung mit den tatsächlichen oder vermeintlichen Absurditäten zu lesen, die gerade in der Sphäre des Häuslichen gehäuft auftreten. Albert Camus folgend, versucht er sich Sisyphos als glückliches Wesen vorzustellen und untersucht das Potenzial des Absurden; bis hin zu seiner Aufhebung durch die Übersteigerung oder Re-Kontextualisierung entsprechender Handlungen. Das Moment der Repetition, die Endlosschlaufe, wie sie auch in der Basler Raumzeichnung zu sehen war, ist dafür ein wesentliches kompositorisches Element, ebenso wie der zweckfremde Einsatz des verwendeten Materials. Bei Kurt-Kurt setzt Alain Jenzer seine Untersuchung alltäglicher Absurditäten fort, die in der häuslichen Sphäre auftreten. Dabei interessiert er sich insbesondere für das Verhältnis zwischen dem Privaten und der Gesellschaft, in die es eingebettet ist. Seine Interventionen beschränken sich denn auch nicht auf den intimen Rahmen des Ausstellungsraumes: Mit subtilen Interventionen und temporären Installationen greift er in den Stadtraum ein und übersetzt diese wiederum in den Ausstellungsraum.

Zur Ausstellungsreihe
Kunst-Gast-Arbeiter

Das Gesamtprojekt Kunst-Gast-Arbeiter erkundet den Einfluss und die Wirkung, die Migration als persönliches aber auch kollektives und moabitspezifisches Phänomen auf die zeitgenössische Kunst hat oder haben kann.
DExakt 50 Jahre nachdem zwischen Deutschland und der Türkei ein „Gastarbeiterabkommen“ getroffen wurde, greifen wir dieses Thema aus künstlerischer Sicht auf und erweitern damit die Auseinandersetzung und Gesprächsgrundlagen, die 2010 bei dem sehr erfolgreichen Projekt „Journeys with no Return“ schon geschaffen wurden und zur Zeit aktueller denn je sind.
König Friedrich Wilhelm I hat auf der Insel Moabit französische Hugenotten, die wegen ihres Glaubens aus ihrem Land fliehen mussten, als Gastarbeiter angesiedelt und ihnen einen Handel angeboten: Land und Besitz gegen Urbarmachung Moabits und Kultivierung mit Maulbeerbäumen. Es stellt sich also nicht erst heute die Frage, wie man sich zwischen Turmstraße und Spree bzw. Westhafen niederlässt, sich einrichtet, sich ein Zuhause schafft und sich im besten Falle verwurzelt.

Der Künstler als Gastarbeiter ist ein bekanntes Phänomen. Seit Goethe sich sozusagen als erster künstlerischer Arbeitsmigrant auf seine Italienreise begeben hat und es heute Stipendien in Moskau, New York, Tokyo, Istanbul und weltweit die Artist-in-Residence Programme gibt, schlüpft der Künstler immer wieder in die Rolle des Gastarbeiters. In medienübergreifenden Konzepten und interdisziplinären Projekten erforschen Künstler als temporäre Gastarbeiter Schnittstellen zwischen künstlerischer, soziologischer und anthropologischer Arbeit und hinterfragen die Beziehungen zwischen Gast und Gastgeber, Künstler und Publikum, Suchendem und Gesuchtem. Kurt-Kurt entleiht der deutschen Geschichte der letzten 50 Jahre den Begriff des Gastarbeiters und definiert ihn als positives Phänomen. Zunächst verstehen wir den bei uns arbeitenden Künstler tatsächlich als willkommenen Gast, der Neues und Ungewohntes mit sich bringt. Auch Harald Szeemanns Agentur für Geistige Gastarbeit, deren geistiger Raum beliebig expandieren konnte und die sich immer wieder neu verortete und in unterschiedlichste Lebens- und Denk-Bereiche vordrang, ist für uns ein wichtiger Bezug und Inspiration.

Der sichtbare Prozess und die Zusammenarbeit, der Austausch mit den ansässigen Menschen sind ein zentraler Aspekt der Projekte im Kurt-Kurt und werden von den Künstlern als arbeitende Gäste angeboten, genutzt und in künstlerische Statements transformiert. Die Künstler leben und arbeiten für eine Weile in den Kurt-Kurt Räumen und machen ihren Arbeitsprozess öffentlich. Hierbei geht es weniger um endgültige Ergebnisse und deren Präsentation als vielmehr um Arbeitsstrategien, um allmähliche Formfindungen und um tatsächliches und tatmächtiges Arbeiten.

Kontakt
Kurt-Kurt
Kunst und Kontext im Stadtlabor Berlin-Moabit
Ein Projekt von Simone Zaugg und Pfelder im Geburtshaus von Kurt Tucholsky
Lübecker Str. 13
10559 Berlin
Tel.: 030-397 46 942
Web: www.kurt-kurt.de/ www.sanspapiers.de

Das Projekt sans papiers - Das Leben ist eine Reise wird gefördert aus Mitteln der Senatskanzlei Berlin – Kulturelle Angelegenheiten