Kurt-Kurt Konzept

Kurt – Kurt
Kunst und Kontext im Stadtlabor
Moabit Projekte für den öffentlichen Raum

„Kurt-Kurt | Kunst und Kontext im Stadtlabor Moabit“ ist ein Kunstprojekt, das sich explizit mit dem exemplarisch ausgewählten Stadtraum Moabit auseinandersetzt. Als Fortsetzung von „Kurt-Kurt | Projekte für den öffentlichen Raum“ (2006-2009) wird das Programm für 2010 den urbanen Kontext der Situation in Berlin-Moabit thematisieren, reflektieren und unter verschiedenen Aspekten diskutieren.
Kurt-Kurt untersucht, verfolgt und durchleuchtet mit verschiedenen Aktivitäten (Ausstellungen und Vorträge zum Thema Migration, Kooperationen mit Architekten und Stadtplanern, Kunstvermittlung in Kooperation mit Kitas, moabitspezifische Kunstprojekte mit Künstlergesprächen, Performances, Screenings etc.) Strategien und Entwicklungen in der Auseinandersetzung mit Öffentlichkeit und öffentlichem Raum in Moabit. Die Interventionen und Präsentationen des Projekts Kurt-Kurt sind immer auch Ort für Begegnungen zwischen Stadtraum/Alltag und Kunstort/Kunst, zwischen Planung/Modell und Tatsache/Realität, zwischen ansässiger Bevölkerung und überregionalen Gästen, zwischen Produzent und Konsument.
Ziel ist es sowohl den Blick auf die Details vor Ort zu schärfen wie auch den Blick nach Außen zu öffnen und Moabit in einem größeren Kontext wahrzunehmen.

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Die Frage der Möglichkeiten, mit der öffentliche Räume und Öffentlichkeit als Gegenbewegung zur Privatisierung und Ökonomisierung, z.B. über künstlerische Eingriffe und Reaktionen, temporär wieder erschlossen und besetzt werden können, ist eine zentrale Frage des Projekts Kurt-Kurt. Die gewohnten Formen der Rezeption im Kunstraum werden durchbrochen und durch den im urbanen Raum schweifenden Blick erweitert, so dass die Besucher in den ortsbezogenen, öffentlichen Dialog miteinbezogen werden und daran teilhaben können. Das Projekt Kurt-Kurt erzeugt Rückkoppelungen zwischen Öffentlichkeit, öffentlichem Raum und Kunstort, zwischen Exterieur und Interieur, zwischen Künstlern und lokalem wie internationalem Publikum, zwischen temporärer Intervention und ortsansässigen Passanten.
Kurt-Kurt ist eine herausfordernde Alternative zum arrivierten Kunstgeschehen (Museen, Kunstvereine, Galerien etc.) der Metropole Berlin. Kurt-Kurt ist Treffpunkt für lokale und globale Erfahrungen, für Diskussionen, Begegnungen und Ausgangspunkt für neue Netzwerke.

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Kurt-Kurt ist ein Projekt für künstlerische Aktivitäten. Die Kurt-Kurt Projektzentrale und Anlaufstelle für Besucher befindet sich in dem Gebäude, das bewohnte Gegenwart zugleich mit erinnerter Geschichte an den Dichter Kurt Tucholsky beherbergt, für den die enge Anbindung an die alltägliche Lebensrealität seiner Umgebung wesentlich für die Auseinandersetzung mit anderen politischen und gesellschaftlichen Inhalten wurde.
Die Projekte von Kurt-Kurt im Spannungsfeld von Kunstvermittlung bis Kunstausstellung sind immer so angelegt, dass sie das Gespräch und die Kommunikation in der Nachbarschaft diskursunerfahrener Strukturen anregen. Nur so lassen sich all jene ansprechen, die sich gemeinhin von solchen Ideen nicht erreichen lassen wollen bzw. denen eine Erreichbarkeit für weitergehende kulturelle Verhandlungen in einer Mikrokultur der Nischen nicht zugetraut wird.

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Da Sein, Platznehmen, laut Nachdenken, Beginnen und vor allem sichtbares Arbeiten spielen eine erhebliche Rolle in der Kommunikation von künstlerischen Konzepten jenseits der alltäglichen Überlebensökonomie. Denn neben der Entwicklung von künstlerischen Ideen, die in Moabit – ebenso aber auch andernorts zu realisieren wären – geht es um das bewusste Einlassen auf eine urbane Wirklichkeit, die mehr darstellt und einfordert, als lediglich exotische Differenz zur Welt der Hochkultur. Mit einer übergeordneten Perspektive nehmen sich die Projekte von “Kurt-Kurt | Kunst und Kontext im Stadtlabor Moabit” genau jener lokalen Themen an, die den Stadtteil gegenüber anderen Orten der Welt abgrenzen.
Die Akteure des Projekts Kurt-Kurt nehmen sich Themen an, wie dem Verlust öffentlichen Freiraums, der Sichtbarmachung verborgener sozialer Strukturen, des mangelnden Stadtgrüns, der Tabuisierung von Körperlichkeit, der Kleidung mit ihren gesellschaftlichen Konnotationen oder auch der lokalen Geschichte mit all ihren verschiedensten Facetten. Diese Themen, die nicht nur den gesellschaftlich aktiven Gruppen des Stadtteils am Herzen liegen, sondern die von vielen Bewohnern tagtäglich wahrgenommen werden, bilden das inhaltliche Rückgrat des intensiven Aktions- und Ausstellungsprogramms Kurt-Kurt in und für Moabit.

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Die Rolle des Projektraums Kurt-Kurt ist so definiert, dass dieser Raum weniger als Kunstraum, denn vielmehr als Ausgangspunkt und organisatorischer Nucleus verschiedenster Initiativen im Aktionsfeld Moabit verstanden wird. Von ihm sollen die einzelnen Projekte ihren Ausgang nehmen und auch immer wieder inhaltlich wie organisatorisch in ihn zurückgebunden werden. Diese Bindung an einen auffindbaren Ort, die kontinuierliche Präsenz und Ansprechbarkeit von Organisatoren und Projektbeteiligten für die interessierte Öffentlichkeit stellt einen der wichtigen Unterschiede zu einem Gros von anderen Projekten im Kontext von urbanem Raum dar.

Simone Zaugg / Pfelder

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