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Kunst und Kontext im Stadtlabor Berlin-Moabit | www.kurt-kurt.de

präsentiert die Ausstellung

Fast Forward

Finissage mit Artist Talk: Sonntag, 19. September 2021, 16–19 Uhr
17 Uhr: Ausstellungsrundgang zusammen mit den Künstler*innen

Ausstellung: 27. August – 19. September 2021
Öffnungszeiten: Fr bis Sa, 16-19 Uhr und nach Vereinbarung
zum Ortstermin Moabit: Sa/So, 28./29.August, 15-20 Uhr

Für den Besuch der Ausstellung gelten die gültigen Abstands- und Hygienebestimmungen des Senats und die 3Gs:
geimpft, getestet, genesen.

Künstler:innen: Tom Früchtl, Mischa Leinkauf, Peter Müller, Silke Panknin, Sonya Schönberger und Heidi Sill

Sonya Schönberger   
Tom Früchtl, Mischa Leinkauf
Heidi Sill

Fast Forward

Fast Forward bringt sechs Künstlerperspektiven zusammen, die in ihren Arbeiten die Dimension Zeit reflektieren und relativieren. Ihr Blick auf die Welt während und vor allem nach dem pandemiebedingten Stillstand lässt kein Reset, Restart oder Rewind zu, sondern betrachtet ein komplexes Fast Forward.

Heidi Sills Arbeit Untitled 2016-2020 vereint den Moment mit dem Prozess. Das große Zeichenpapier diente ihr über vier Jahre als Unterlage für ihre Zeichenserien und hält ungefiltert spontane Ideen aber auch weiterführende Gedankengänge während des Zeichnens fest. Das Werk wird zusammen mit einer Arbeit aus der 12-teiligen Zeichenserie Netzwerk ausgestellt. Hier ist der Versuch abgebildet, mit dem eigenen Körper vertikale und horizontale Linien zu ziehen, die sich möglichst nahe kommen, nicht berühren sollten und die unvermeidbaren „Fehler“ einbeziehen.

In Silke Panknins großformatiger Fotografie Anengletscher 2019, die hier als ephemerer Siebdruck präsentiert wird, stehen gegenläufige Prozesse im Zentrum. Wir erkennen schemenhaft den jahrtausendealten Gletscher und versuchen ihn auch visuell während unseres Wahrnehmungsprozesses festzuhalten. Gleichzeitig wissen wir aber, dass nicht nur der Anengletscher wegen des Klimawandels und unserem Umgang mit den globalen Ressourcen mit einer beängstigend rasanten Geschwindigkeit schmilzt und letztlich verschwinden wird.

Unter Wasser im Tauchanzug scheint die Geschwindigkeit ein relativer Begriff zu sein. In der Fotografie Fiktion einer Nicht-Einreise (Ägypten + Israel) spürt Mischa Leinkauf durch das Verlassen der Landwege und das Eintauchen in die Tiefen des Meeres den nationalen Zwischenräumen nach. Dort, wo er systemische Lücken findet, legt er performativ die Absurdität der Kontrollsysteme offen und unterwandert tauchend die Anlagen und Architekturen der Abschottung. Auf subtile Weise öffnet er einen grenzenlosen Möglichkeitsraum, der weder zeitliche noch räumliche Grenzen kennt.

Peter Müller bringt Tauben ins Spiel, die zum Gefüttert werden gerne mal vor einem Fenster zwischenlanden, bevor sie wieder abheben und davonfliegen. In seiner Arbeit Das Taubenstadtfenster beschäftigt er sich mit den Handlungen und der Motivation einer taubenfütternden Nachbarin. Er inszeniert und verbindet verschiedene Ebenen in einer Rauminstallation mit bodendeckendem Sonnenblumenfeld, einem Film und einem Ort der direkten Begegnung mit der Nachbarin und einer Taubenaktivistin.

Tom Früchtls Pappkarton scheint etwas fehl am Platz in der sorgfältig kuratierten Ausstellung. Es sieht so aus, als ob die Projektraumbetreiberinnen nicht genug Zeit gehabt hätten, ihn wegzuräumen vor der Eröffnung der Ausstellung. Jeder/Jede Besucherin, die nicht zu schnell an der Skulptur soft box vorbeigeht, wird überrascht von der „trompe l’oeil“ Malerei, die den schon fast weggeworfenen Gegenstand in ein Kunstwerk überführt. Auch Tom Früchtls zweidimensionale Arbeiten kleines Drecksbild und dekor #12 spielen mit dem malerischen Festhalten von alltäglichen, unbewussten Gesten und Spuren, wie z.B. denjenigen von Klebebändern oder ganz einfach Schmutz.

Die kleine, aber mit viel Geschichte aufgeladene Fotoarbeit So wie wir waren von Sonya Schönberger zeigt auf den ersten Blick eine unspektakuläre Quittung von Saturn. Beim genaueren Hinsehen öffnet das kleine Bild Türen zu einem Film aber vielmehr noch in die Vergangenheit an den Alexanderplatz, als er noch fast so war wie vor der Wende und Geld noch in einer anderen Währung ausgewiesen wurde. Dem/der Betrachter*in wird vor Augen geführt, wie relativ Zeit ist. Und der titelgebende Satz kann fortgesetzt werden: So wie wir sind und So wie wir sein werden.

Kontakt

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