Kunst und Kontext im Stadtlabor Berlin-Moabit

with or without | Die Frage nach dem Kontext (2015)

Wo, wann, wie entstehen die Zusammenhänge? Funktioniert Kunst mit oder ohne Kontext? Um auf diese Fragestellungen Antworten zu finden, lädt Kurt-Kurt drei Künstler ein, die in den unterschiedlichen Medien Installation, Sound, Performance und Fotografie arbeiten und in ihren für die Ausstellung im Kurt-Kurt realisierten Arbeiten die Frage nach dem Kontext direkt oder indirekt reflektieren: with or without?

Nach acht Jahren erfolgreicher und intensiver Arbeit mit Kunstprojekten, die sich bewußt in Moabit verorten mit einem Fokus auf die Historie, den urbanen Kontext, die Veränderungen, die soziale Situation, die Menschen und Künstler vor Ort, streben wir 2015 mit dem Ausstellungsprojekt with or without einen Perspektivwechsel an und verschieben die Kontextualisierung von der Aktion in die Reflexion.

Das heisst, dass bei den eingeladenen Künstlern zunächst die Kunst im Vordergrund steht und nicht die kontextspezifische Auseinandersetzung mit Moabit. Die Künstler arbeiten mit ihren Projekten jeweils unter einem der übergeordneten Begriffe Installation, Sound, Performance und Fotografie.

Die eingeladenen Künstler arbeiten international vernetzt und mit ganz unterschiedlichen Arbeitsstationen, Radien und Ansätzen. Der Bezug zum “Stadtlabor Moabit” wird weder als konzeptuelles, kuratorisches Element noch als künstlerischer Ansatz gefordert. Die Künstlerin, der Künstler und die Kunst selbst stehen im Zentrum und nicht ein situations- und ortsspezifisches Arbeitsvorhaben.

Während den drei Ausstellungsprojekten, die sich in unterschiedlichen Medien manifestieren werden, gilt es auch der Frage nachzugehen: Spiegelt sich und wie spiegelt sich Ort/Raum/Situation in der Kunst wider, wenn die künstlerische Auseinandersetzung mit demselben nicht programmatisch und konzeptuell eingefordert wurde? Wieviel Anteil am möglichen Kontext hat das Publikum? Wie nehmen wir die jeweiligen künstlerischen Statements wahr? With or without context?

Die Frage nach dem Kontext von Kunst und Ort ist für die Projektreihe with or without zentral. Erst durch das Loslösen von kontextorientierten künstlerischen Herangehensweisen können interessante Fragen zu den Voraussetzungen, Abhängigkeiten und Verbindungen von künstlerischen Eingriffen und räumlichen wie örtlichen Begebenheiten gestellt, erforscht, analysiert und erörtert werden: Um Antworten zu diesen Fragen näherzukommen und auch einen Blick hinter die Bilder zu werfen und den Künstler dahinter sichtbar zu machen, werden spezielle Künstlergespräche bzw. Künstleraktionen stattfinden.

 
 

11. Juli – 1. August 2015: Christian Jankowski


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no-profit

Mit Christian Jankowskis Projekt im Kurt-Kurt wird sprichwörtlich und tatsächlich der Kontext verschoben.

In seiner Ausstellung no-profit werden zwei Arbeiten in den Projektraum Kurt-Kurt verpflanzt, die in Florenz ihren Ursprung hatten. Durch die Wiederholung des vermeintlich Gleichen verwandelt sich die Lesart von Präsentationen in verwandten aber örtlich weit voneinander entfernten non-profit art spaces.

Zum Einen reflektierte und reagierte Jankowski im Projektraum BASE in Florenz mit der Neonschrift no-profit und Texten an der Wand direkt auf die meist prekären ökonomischen Situationen und die im Kollektiv stattfindenden Realisierungsprozesse in Projekträumen. So ergab sich die Größe der Neonschrift aus den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln. Je größer das Budget, desto größer das no-profit. Zum Anderen nahm Jankowski mit seiner Fotoserie Friends of Friends Bezug auf virtuelle und wahre Freunde, die Auswirkungen auf das finale Werk und dessen Präsentation haben.

Die Übertragung der Wandfresken aus Florenz nach Berlin und die Neuinszenierung der Arbeiten hinterfragt die Konzepte der Kunst und die Rezeption der Betrachter ganz im Sinne der konzeptuellen Arbeit Jankowskis, die immer wieder reale und mediale Verschiebungen unserer Wirklichkeit und Erwartungen provoziert.

Die Diskussion über with or without, also ob mit oder ohne Raum, Geld, Kontext, Kollaboration, Nachbarschaft, Kunstmarkt etc. ist eröffnet. Zur Vernissage wird Christian Jankowski, der gerade als Kurator für die Manifesta 2016 in Zürich verantwortlich zeichnet und soeben den Finkenwerder Kunstpreis entgegennehmen durfte, persönlich anwesend sein und gerne mit Ihnen über das große und kleine Zusammenspielen von Kunst, Medien und Alltag sprechen.

Die Ausstellung wird gefördert aus Mitteln des Bezirkskulturfonds Mitte von Berlin und ist eine Kooperation mit BASE / Progetti per l’arte, Firenze.

10. – 27. September 2015: Stefan Schneider


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Sechs Orte, sechs Alben – Photographien 1983-2015

Bei den Life Lines spielte der Musiker Stefan Schneider letzte Woche im Haus der Kulturen der beim Eröffnungsabend der mehrteiligen Konzertreihe von und mit Hans Joachim Roedelius.

Eine Woche später ist er nun mit seinem photographischen Werk im Kurt-Kurt und zeigt unter dem Titel „Sechs Orte – sechs Alben“ Bilder aus verschiedenen Arbeitsphasen. Die Auswahl der photographierten Orte folgt keiner Systematik sondern hat sich meist zufällig ergeben. Fast wie verstreute Archive, die während kurzer Aufenthalte entstanden sind. So unterschiedlich die Orte der Bilder (z.B. „Prag 1992“, „Leuven 2005“, oder „Agadir 2013“) oder die zeitlichen Abstände zwischen den Aufnahmen sein mögen, so scheint ihnen doch die Suche nach Präsenz und Sichtbarkeit, gemein zu sein. Neben ganz neuen Arbeiten aus den Dolomiten, werden erstmalig auch Werkgruppen gezeigt, die zu seinen frühesten Arbeiten überhaupt gehören.

Stefan Schneider zeichnet mit seiner Ausstellung das Profil dieser ihm wichtigen Orte über das Medium Photographie nach. Sein photographisches Langzeit-Kreisen um die sechs Orte führt unseren Blick in andere Zeiten und Räumen, die sich zu narrativen Kompositionen zusammensetzen lassen.

Stefan Schneider lebt in Düsseldorf
1984-86 Studium Photographie bei Prof. Detlef Orlopp, FH Krefeld
1987-93 Studium Photographie bei Prof. Bernd Becher, Kunstakademie Düsseldorf, Meisterschüler
Ab 1994 wandte sich Stefan Schneider der elektronischen Musik zu. Er ist Gründungsmitglied von Kreidler (1994-99), to rococo rot (1995-2014) und arbeitete u.a. mit Joachim Roedelius (Cluster, Harmonia), Sven Kacirek, Bill Wells, Arto Lindsay, Alexander Balanescu, Lydia Lunch, Klaus Dinger (Kraftwerk, Neu!), St.Etienne, Hauschka, Katharina Grosse und The Pastels zusammen.

Konzerte in Europa, USA, Japan, China, Australien, Malaysia, Kenya, Algerien, Sibirien,

5. – 21. November 2015: Siggen Stinessen


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Streets of Moabit
Tempelhof – 360 Grad

Siggen Stinessen zeigt im Kurt-Kurt zwei Fotozyklen, die während seiner Residenz im Oktober 2015 in Berlin entstanden sind: „Streets of Moabit“ und „Tempelhof – 360 Grad“.

In „Streets of Moabit“ fängt er die Straßen der Nachbarschaft von Kurt-Kurt ein, die er jeweils aus zwei Richtungen im „Google-Street-View-Modus“ zeigt. Google machte es auch möglich, dass Stinessen sich Monate vor seinem Aufenthalt in Moabit zuhause in Norwegen vorbereiten konnte. Alle Bilder der Serie „Streets of Moabit“ hat er mit seinem iPad fotografiert.

In der zweiten Serie „Tempelhof – 360 Grad“ steht Stinessen im Zentrum der „Tempelhofer Freiheit“ und richtet seinen Blick nach Außen. Es entsteht ein Panorama des Außenrandes des ehemaligen Flughafengeländes. Nicht das von Besuchern genutzte und bespielte Flugfeld, sondern die vermeintlich unspektakulären Randzonen, wie sie von den Besuchern kaum wahrgenommen werden, machen den Reiz dieser schwarzweißen Bildserie aus.

Die konzeptuelle Annäherung an ein Thema gehört zur „Handschrift“ des norwegischen Fotografen Siggen Stinessen (geb. 1942). Bereits seit den 1980ern liegen seinen fotografischen Serien strenge Konzepte zu Grunde. Seine Projekte sind räumlich gedacht und reflektieren, wie sich Raum und Landschaft durch die Präsenz der Menschen verändert. 

Inspiriert von den Tendenzen der „New Topographics“ (Düsseldorfer Schule) wirkt seine Fotografie vermeintlich objektiv und reduziert, denn er zeigt uns direkt, was er sieht. Seine Fotografien sind in diesem Sinne Abbilder und keine Kompositionen. Sein serielles Schaffen bewirkt, dass sich das einzelne Bild zum Nachbarn verhält und Teil einer Gesamterzählung wird.

Stinessen gehört seit den 1970ern als Fotograf zur norwegischen Kunstszene. Er war der erste Fotograf, der bereits 1977 ein lebenslanges Arbeitsstipendium als Künstler vom Norwegischen Staat bekommen hat.  Seine Bilder sind u.a. in den Sammlungen vom Nationalmuseum für Kunst, im Nordnorwegischen Kunstmuseum in Tromsö, im Haugar Vestfold Kunstmuseum in Tönsberg und im Preus Museum, dem Nationalmuseum für Fotografie Norwegens, zu sehen.

Die Ausstellungsreihe with or without wird unterstützt durch Bezirkskulturfonds Bezirksamt Mitte von Berlin.